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HolozÀn
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top
| ❼ | System | Serie | Stufe | ≈ Alter ( mya ) |
|---|---|---|---|---|
| ❼ | Q u a r t Ă€ r | HolozĂ€n | Megha­layum | 0 ⬍ 0,004 |
| ❼ | Q u a r t Ă€ r | HolozĂ€n | Nordgrip­pium | 0,004 ⬍ 0,008 |
| ❼ | Q u a r t Ă€ r | HolozĂ€n | Grönlan­dium | 0,008 ⬍ 0,012 |
| ❼ | Q u a r t Ă€ r | Pleisto­zĂ€n | Taran­tium | 0,012 ⬍ 0,126 |
| ❼ | Q u a r t Ă€ r | Pleisto­zĂ€n | Chibanium | 0,126 ⬍ 0,781 |
| ❼ | Q u a r t Ă€ r | Pleisto­zĂ€n | Calabrium | 0,781 ⬍ 1,806 |
| ❼ | Q u a r t Ă€ r | Pleisto­zĂ€n | Gelasium | 1,806 ⬍ 2,588 |
| ❼ | frĂŒher | frĂŒher | frĂŒher | Ă€lter |

Das HolozÀn (populÀrwissenschaftlich auch Nacheiszeitalter genannt) ist der gegenwÀrtige Zeitabschnitt der Erdgeschichte. In der Chronostratigraphie und der Geochronologie ist das HolozÀn eine Serie bzw. Epoche und wird laut Beschluss der International Commission on Stratigraphy (ICS) seit 2018 in drei geologische Stufen unterteilt (Grönlandium, Northgrippium, Meghalayum). Es begann vor etwa 11.700 Jahren mit der ErwÀrmung der Erde am Ende des PleistozÀns.cite-ref-grip-1-0[1]

HolozĂ€n und PleistozĂ€n gehören zum QuartĂ€r, dem jĂŒngsten System des KĂ€nozoikums. In der englischen Terminologie wird das HolozĂ€n mitunter auch als Present (deutsch „Gegenwart“) bezeichnet.

Contents

‱ Definition
‱ Verlauf
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Namensgebung und Begriffsgeschichte

Die Bezeichnung HolozĂ€n stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet sinngemĂ€ĂŸ „das ganz Neue“ (áœ…Î»ÎżÏ‚ hĂłlos ‚ganz‘ und ÎșαÎčΜός kainĂłs ‚neu‘). Der Begriff wurde 1867/1869cite-ref-2[2] bzw. schon 1850cite-ref-3[3] von dem französischen Zoologen Paul Gervais geprĂ€gt. Bereits 1833 hatte Charles Lyell fĂŒr diesen Zeitabschnitt der Erdgeschichte den Begriff Present („Gegenwart“) geprĂ€gt. Auf dem Dritten Geologischen Kongress in London 1885 setzte sich jedoch die Bezeichnung Holocene (eingedeutscht HolozĂ€n) gegen Present durch. In der englischsprachigen Literatur ist der Begriff Present im Sinne von HolozĂ€n gelegentlich immer noch zu finden.

Eine veraltete Bezeichnung ist auch Alluvium (von lateinisch alluvio ‚Anschwemmung‘), also etwa „Zeitalter der Anschwemmungen“. Diese Bezeichnung geht auf den britischen Geologen William Buckland zurĂŒck, der 1823 die jĂŒngste Erdgeschichte in das (vor-)sintflutliche Diluvium (entspricht etwa PleistozĂ€n) und das nachsintflutliche Alluvium (entspricht grob dem HolozĂ€n) unterteilte.

In jĂŒngerer Zeit setzte sich der Begriff auch gegen Begriffe wie Neo-Warmzeit oder Flandrische Warmzeit (Flandrium) durch. Der Begriff Flandrium wurde 1957 von Jean de Heinzelin & RenĂ© Tavernier fĂŒr marine Transgressionssedimente an der belgischen KĂŒste geprĂ€gt.cite-ref-4[4] Er wurde vor allem von Autoren verwendet, die meinten, dass das HolozĂ€n nur ein Interglazial des aktuellen Eiszeitalters sei und deshalb in das PleistozĂ€n mit einbezogen werden sollte (z. B. West, 1977cite-ref-5[5]). Wegen der besonderen Bedeutung des HolozĂ€ns fĂŒr die Kulturgeschichte der Menschheit hat sich dieser Vorschlag nicht durchsetzen können und wird auch nicht weiter diskutiert. Aufgrund der 2008 erfolgten Festlegung des GSSP PleistozĂ€n/HolozĂ€n und der Definition des HolozĂ€ns als eigene Serie hat dieser Vorschlag nur noch wissenschaftshistorische Bedeutung.

Definition

Zur Definition des Beginns des HolozĂ€ns gibt es zahlreiche AnsĂ€tze aus den verschiedenen Teildisziplinen der Stratigraphie. Übereinstimmend versuchen alle AnsĂ€tze, den scharfen Temperaturanstieg am Ende der letzten Kaltzeit möglichst genau zu fassen. Die International Union of Geological Sciences (IUGS) hat 2008 den Vorschlag der Subcommission on Quaternary Stratigraphy und anschließend durch die International Commission on Stratigraphy (ICS) ratifiziert, einen GSSP (engl. Global Boundary Stratotype Section and Point „globales Referenzprofil zur Festlegung der Stufengrenzen“) fĂŒr den Beginn des HolozĂ€ns zu definieren.

Als GSSP PleistozĂ€n/HolozĂ€n dient der Eisbohrkern-2 des North Greenland Ice Core Project (NGRIP; Koordinaten, 75,10° N, 42,32° W), der an der UniversitĂ€t Kopenhagen archiviert ist. FĂŒr die Untergrenze des HolozĂ€ns wurde die 1492,45-m-Tiefenmarke bei diesem Kern ausgewĂ€hlt.cite-ref-6[6] In diesem Bereich des Kerns ist in einem höchstens 3 Jahre umfassenden Eis-Intervall ein Abfall des DeuteriumĂŒberschusses von typisch glazialen Werten auf typisch interglaziale Werte messbar. Zudem steigt ab ungefĂ€hr dieser Marke – wenngleich ĂŒber ein ausgedehnteres Intervall hinweg – der ÎŽ18O-Wert von typisch glazialen Werten auf typisch interglaziale Werte an. Diese Änderungen in den Isotopenwerten dokumentieren den schnellen Temperaturanstieg am Übergang der JĂŒngeren Dryaszeit zum PrĂ€boreal des HolozĂ€n. Das Eis an der 1492,45-m-Tiefenmarke des NGRIP2-Kerns ergab mittels einer Multiparameter-JahresschichtzĂ€hlung fĂŒr die Basis des HolozĂ€ns ein Alter von 11.700 Kalenderjahren b2k (vor 2000 n. Chr.) mit einem maximalen ZĂ€hlfehler von 99 Jahren. Dies dient damit als offizielle Richtmarke fĂŒr den Beginn des HolozĂ€ns.cite-ref-7[7]

Friedrich et al. (2001) messen einen extremen Ringbreitenanstieg bei 11'570 Dendro Years before 1950 (BP).

Nach WarvenzĂ€hlungen im Meerfelder Maar in der Eifel begann das HolozĂ€n um 11.590 Warvenjahre v. h. (d. h. bezogen auf das Jahr 1950; oder 9.640 v. Chr.).cite-ref-grip-1-1[1] Die WarvenzĂ€hlungen der Eifelmaare (oder Warvenchronologie) sind jedoch eine sogenannte „schwimmende Chronologie“, d. h., sie beruhen auf EinhĂ€ngung in andere Chronologien, z. B. der Dendrochronologie und den grönlandischen Eisbohrkernen (GICC05-Chronologie). Inzwischen wurde jedoch eine hohe Übereinstimmung aller drei Chronologien erreicht, der Beginn des HolozĂ€ns differiert daher nur noch um wenige Jahrzehnte und liegt innerhalb der Fehlergrenzen. Dies kann jedoch auch auf der regional etwas unterschiedlich einsetzenden ErwĂ€rmung beruhen.

Korrelation

Das globale chronostratigraphische HolozÀn wird mit der Stufe 1 (MIS 1) der Sauerstoff-Isotopenkurve korreliert.

Untergliederung

| Serie | Klimastufe | Pollen- zone | Zeitraum (v. Chr.) |
|---|---|---|---|
| HolozÀn | Subatlantikum | X | 450 bis heute |
| HolozÀn | Subatlantikum | IX | 450 bis heute |
| HolozĂ€n | Subboreal | VIII | 3.710–450 |
| HolozĂ€n | Atlantikum | VII | 7.270–3.710 |
| HolozĂ€n | Atlantikum | VI | 7.270–3.710 |
| HolozĂ€n | Boreal | V | 8.690–7.270 |
| HolozĂ€n | PrĂ€boreal | IV | 9.610–8.690 |
| PleistozĂ€n | JĂŒngere Dryas | III | 10.730–9.700 ± 99 |

Das HolozĂ€n wird in der Chronostratigraphie im Rang einer Serie definiert. Die von Axel Gudbrand Blytt und Rutger Sernander ausgeschiedenen Klimastufen aufgrund von palĂ€obotanischen Daten aus skandinavischen Mooren sind im Prinzip nur auf der Nordhalbkugel, z. T. sogar nur in Nordeuropa nachweisbar. Sie geraten allmĂ€hlich außer Gebrauch und werden durch die Begriffe frĂŒhes, mittleres und spĂ€tes HolozĂ€n ersetzt.cite-ref-8[8] Trotzdem werden sie immer noch in vielen wissenschaftlichen Publikationen benutzt. Auch absolute Altersdaten finden zunehmend Verwendung.

‱ Subboreal
‱ Atlantikum
‱ Boreal

Einige Autoren lassen dem HolozĂ€n als gegenwĂ€rtige Epoche das AnthropozĂ€n folgen, da das physikalische System Erde mittlerweile gravierend vom Menschen beeinflusst wird.cite-ref-zala08-9-0[9]cite-ref-zala14-10-0[10] Es hat aber bisher noch keine allgemeine Anerkennung gefunden, zumal es fĂŒr die angewandte Geologie kaum Relevanz hat. Da der Beginn des AnthropozĂ€ns fĂŒr das Jahr 1800 angesetzt ist,cite-ref-steff11-11-0[11] umfasste dieses gerade erst 200 Jahre wĂ€hrende Zeitalter geologische Bildungen, die allgemein mit dem Begriff rezent ausreichend charakterisiert sind.

Verlauf

AltholozÀn

Geobotanische Untergliederung: PrĂ€boreal – Boreal

Nachdem die letzte Kaltzeit (in Nordeuropa etwa die Weichsel-Kaltzeit) etwa 16.000 v. Chr. ihren Höhepunkt ĂŒberschritten hatte, begann eine phasenweise KlimaerwĂ€rmung. WĂ€hrenddessen kam es immer wieder zu sprunghaften Klimaschwankungen, den sogenannten Dansgaard-Oeschger-Ereignissen. Im Vergleich zu frĂŒheren Warmzeiten (Eem-Warmzeit) dauerte der Übergang in die anschließende Warmzeit allerdings ungewöhnlich lange, und nach der Allerödzeit, in der die Temperatur schon fast ihr Warmzeitniveau erreicht hatte, fiel sie in der sogenannten JĂŒngeren Tundrenzeit 10.700 v. Chr. noch einmal in einen Kaltzustand zurĂŒck.

Diese Tundrenzeit endete etwa 9640 v. Chr. mit der Friesland-Phase, einer extrem schnellen WiedererwÀrmung zum PrÀboreal, dem ersten Abschnitt des HolozÀns. Bedingt durch VerÀnderungen von Meeresströmungencite-ref-12[12] stiegen die Durchschnittstemperaturen auf Teilen der Nordhalbkugel innerhalb von nur 20 bis 40 Jahren um sechs Grad Celsius, in Grönland sogar bis zu 10 Grad.cite-ref-bick-13-0[13]

Diese ErwĂ€rmung fĂŒhrte u. a. zur Öffnung der sogenannten Billinger Pforte, durch die das Wasser der zum Eissee angestauten Ostsee ins Weltmeer abfließen konnte. Dadurch sank der Wasserspiegel des Baltischen Eisstausees um 26 m auf Meeresspiegelniveau und umgekehrt drang mit dem Meerwasser arktische Fauna mit Yoldia (Portlandia arctica) in das Ostsee-Becken ein (Yoldia-Meer).

Der abrupte Klimawechsel zog zunĂ€chst eine VerĂ€nderung der Flora, damit verbunden auch der Fauna nach sich. Viele Arten wanderten mit den sich verschiebenden Vegetationszonen nordwĂ€rts. Zugleich verschwanden am Übergang des PleistozĂ€ns in das HolozĂ€n in Amerika und Eurasien viele der großen SĂ€ugetiere vollstĂ€ndig. Dieses sogenannte QuartĂ€re Aussterbewelle fand auf dem amerikanischen Doppelkontinent in dem relativ kurzen Abschnitt von etwa 13.000 bis 10.000 v. Chr. statt, dauerte in Eurasien lĂ€nger. In Australien verschwanden die meisten Arten bereits inmitten des SpĂ€tpleistozĂ€ns. In welchem Ausmaß der Mensch bzw. dessen Einwirken auf das Ökosystem Ursache fĂŒr das abrupte auftretende Massensterben war, ist umstritten.

Am Übergang vom PleistozĂ€n zum HolozĂ€n wurde das Klima in den nördlichen Zonen der Erde langsam wĂ€rmer und feuchter. Gleichzeitig wandelte sich die bis dahin wasserlimitierte Steppenvegetation allmĂ€hlich, aber fundamental: Das Weideland dehnte sich zunĂ€chst aus, spĂ€ter entwickelte sich eine Tundra aus Hochstauden, BĂŒschen und WĂ€ldern, deren Pflanzengemeinschaft sich in zunehmendem Maße aus fĂŒr Herbivoren (Pflanzenfressern) ungenießbaren oder sogar giftigen Pflanzen, wie der Zwergbirke (Betula), zusammensetzte und so deren Bestand und Verbreitung beeinflusste. Strittig ist, ob die Änderung der Vegetation im Vergleich zum vorangehenden PleistozĂ€n Ursache oder Folge des Verschwindens der GroßsĂ€uger ist. Entweder waren die GroßsĂ€uger also durch klimabedingte VegetationsverĂ€nderungen verschwunden, oder die Vegetation Ă€nderte sich, weil menschliche JĂ€ger die Großtiere des Nordens ausrotteten. In jedem Fall hatten sich die Lebensbedingungen der betroffenen Tiere so dramatisch geĂ€ndert, dass rasche Anpassungen erforderlich waren, die vermutlich nicht alle Spezies leisten konnten, wodurch es zu der beobachteten drastischen ökologischen Restrukturierung gekommen sei.cite-ref-rdg-14-0[14]

Im AltholozĂ€n ereignete sich ein Umbruch in der ErnĂ€hrungsweise der Menschen, zunĂ€chst in der Levante, spĂ€ter in China, Mittelamerika und anderen Teilen der Welt: Die JĂ€ger und Sammler begannen, Getreide und andere Pflanzen anzubauen sowie Ziegen, Schafe und andere Tiere zu domestizieren. Diese „Neolithische Revolution“ verbreitete sich nach und nach auch in Richtung Europa.

Mit der ErwĂ€rmung einher ging ein Abschmelzen der Eismassen. Nachdem bereits am Ende des Eiszeitalters das Inlandeis den sĂŒdlichen Ostseeraum freigegeben hatte, teilte sich um 6800 v. Chr. das Eis in Skandinavien, bis es am Ende des AltholozĂ€ns um 6000 v. Chr. schließlich ganz verschwand. Die von dieser Last befreite Erdkruste begann sich seit etwa 7700 v. Chr. bis heute um etwa 300 m isostatisch zu heben. Noch heute erfahren Landstriche in Skandinavien Hebungsraten bis zu 1 cm pro Jahr.

MittelholozÀn

Geobotanische Untergliederung: Atlantikum

Das beschleunigte Abtauen des nordamerikanischen Inlandeises, des grĂ¶ĂŸten Eisschildes auf der Nordhalbkugel, fĂŒhrte zu Anfang des MittelholozĂ€ns zu einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels (Gesamtanstieg im Vergleich zum Minimalstand wĂ€hrend der Eiszeit etwa 120 m). Damit ging zum einen eine Überflutung weiter KĂŒstenrĂ€ume einher, die sich phasenhaft vollzog und letztlich die heutigen KĂŒstenlinien ausbildete (Flandrische Transgression, DĂŒnkirchen-Transgression). Zum anderen wurden einige Nebenbecken vom Meereswasser ĂŒberspĂŒlt und so selbst zu Nebenmeeren, so etwa die Hudson Bay (zwischen 6000 und 5500 v. Chr.). Um 5000 v. Chr. (womöglich auch frĂŒher) wurden die dĂ€nischen Inseln, Großbritannien und Irland vom europĂ€ischen Festland getrennt; ein Vorgang, der durch eine lange Serie von verheerenden Sturmfluten vonstattenging und in dessen Folge auch die Ostsee zu einem Nebenmeer des Atlantiks wurde. Die Überflutung des Schwarzen Meeres um 6700 v. Chr. lief Ă€hnlich dramatisch ab und fĂŒhrte womöglich zur Entstehung der Sintflut-Legenden bei den vorderasiatischen Völkern (Utnapischtim, Noach, Deukalion).cite-ref-rp-15-0[15]

Durch das wĂ€rmer werdende Klima wich in Mitteleuropa (aber auch in Nordamerika) die Tundrenvegetation der Eiszeit zunehmend einer Bewaldung, zunĂ€chst durch Birken und Kiefern, spĂ€ter auch Eichen, Ulmen, Erlen und andere Arten. Im selben Zuge wandelten sich bis dahin unwirtliche, weiter nördlich gelegene Gebiete von polaren KĂ€ltewĂŒsten zu Tundren.cite-ref-la-16-0[16]

Die Zeit vom 6. bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. stellt das Temperaturoptimum des HolozĂ€ns (Atlantikum, veraltet auch Altithermum) dar. FĂŒr die Zeit des Optimums gibt es nur unsichere Angaben zu den herrschenden Jahresdurchschnittstemperaturen. Klar scheint heute, dass lokal deutlich unterschiedlichere Temperaturen vorherrschten als in der jĂŒngeren Vergangenheit. Zum Teil lagen die Temperaturen um mehrere Grad Celsius ĂŒber den vor Beginn der Industriellen Revolution und damit vor der allmĂ€hlich einsetzenden globalen ErwĂ€rmung dort ĂŒblichen Werten, stellenweise jedoch auch deutlich unterhalb davon.cite-ref-ipcc-2007-paleoclimate-17-0[17] Mehr als 2 °C wĂ€rmer waren vor allem Teile der Nordhalbkugel, darunter SĂŒdosteuropa (zwischen 13.000 und 11.000 Jahren v. Chr.), die Nordmeere (12.000 bis 10.000 Jahre v. Chr.) und der Osten Chinas (10.000 bis 6.000 Jahre v. Chr.). Entsprechend war beispielsweise auch die Baumgrenze in den Alpen zeitweise um 200 bis 300 m höher, in Sibirien und Nordamerika lag die Baumgrenze bis zu 300 km weiter nördlich als heute. Gleichzeitig lagen die Wassertemperaturen im nördlichen Indischen Ozean und im tropischen Pazifik zwischen 13.000 und 7000 v. Chr. um 0,5 bis 2 °C unter den Werten vor der industriellen Revolution, stiegen aber im Altithermum auf 1 °C ĂŒber dem heutigen Niveau.cite-ref-gagan1998-18-0[18] Global gemittelt wird eine Temperatur von weniger als 0,4 °C ĂŒber den heute ĂŒblichen Werten angenommen. Das holozĂ€ne Optimum war demnach kein global einheitliches PhĂ€nomen, sondern wie jede Klimaphase regional ganz unterschiedlich ausgeprĂ€gt.cite-ref-ipcc-2007-paleoclimate-17-1[17]

Der bemerkenswerteste Unterschied des Altithermums im Vergleich zu heute war ein deutlich feuchteres Klima in den WĂŒstengebieten. Es gibt Anzeichen fĂŒr ganzjĂ€hrige FlĂŒsse in der Sahara und anderen heutigen WĂŒsten. Der Tschadsee hatte zu dieser Zeit etwa die Ausdehnung des Kaspischen Meeres. Wie etliche Felszeichnungen aus der Sahara zeigen, gab es zahlreiche Großtierarten wie Giraffen, Elefanten, Nashörner und sogar Flusspferde. Siedlung und Viehhaltung war den Menschen damals in diesen Gebieten möglich. Gleiches wurde durch das feuchte Klima in der Thar (Pakistan) ermöglicht, wo der indische Sommermonsun deutlich stĂ€rker ausgeprĂ€gt war als heute.cite-ref-la-16-1[16]

WĂ€hrend des Klimapessimums von 4100 bis 2500 v. Chr., das deutlich niedrigere Temperaturen als das Hauptoptimum 1 aufwies, zog sich die Savannenvegetation abrupt zurĂŒck. 3200 bis 3000 v. Chr. wurde das Klima in den WĂŒstengebieten deutlich trockener, es begann die Desertifikation der Sahara. Die Bewohner der Sahara und anderer werdender WĂŒstengebiete mussten ihre LebensrĂ€ume verlassen und sammelten sich in den FlusstĂ€lern des Nils, Nigers, des Huang-Ho (China) und Indus (Pakistan) sowie in Mesopotamien an Euphrat und Tigris. In den meisten dieser Gebiete blĂŒhten durch die Notwendigkeit einer staatlichen Organisation sowie einer deutlichen Bevölkerungszunahme erste Hochkulturen auf.cite-ref-la-16-2[16]

JungholozÀn

Geobotanische Untergliederung: Subboreal – Subatlantikum

Gegen Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. begann eine weltweite DĂŒrreperiode, die mehrere Jahrhunderte andauerte.cite-ref-tho-19-0[19] In Ägypten brach durch das Ausbleiben des Nilhochwassers das Alte Reich zusammen, es folgte die Erste Zwischenzeit. Die von der Trockenheit aus ihrer Heimat vertriebenen Amurriter wanderten in Mesopotamien ein und zerstörten dort das Akkadische Reich. Im Industal fĂŒhrte ein AbschwĂ€chen des Monsuns um bis zu 70 % zur Bildung der WĂŒste Thar und zum Untergang der Harappa-Kultur.cite-ref-la-16-3[16]

Ab etwa 3000 v. Chr. setzte im europĂ€ischen Raum eine ausgeprĂ€gte Kaltepoche, das sogenannte Klimapessimum der Bronzezeit, ein.cite-ref-20[20] Die Jahresmitteltemperatur war deutlich kĂ€lter als heute, womit diese Periode die kĂ€lteste seit Ende der Weichsel-Kaltzeit darstellt.cite-ref-21[21] Sie hielt bis etwa Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. an und ging dann in ein neues Klimaoptimum ĂŒber, das sogenannte Optimum der Römerzeit. Die Sommertemperaturen in Europa stiegen und könnten Werte Ă€hnlich denen des vergangenen Jahrhunderts erreicht haben, lagen aber unter den heutigen.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23] In dieser Zeit gelang zum einen dem karthagischen Feldherrn Hannibal die Überquerung der Alpen mit Elefanten (217 v. Chr.)cite-ref-24[24], zum anderen den Römern der Anbau von Wein auf den Britischen Inseln.cite-ref-25[25]

Auffallend ist der Zusammenhang zwischen einer erneuten Klimaverschlechterung (Pessimum der Völkerwanderungszeit) und einer Phase des Umbruchs bzw. des Niedergangs des Römischen Reichs. So begann die Epoche der Völkerwanderung mit dem Vorstoß der Hunnen, der wiederum durch eine Trockenperiode in deren zentralasiatischer Heimat ausgelöst wurde. In Nord- und Nordwesteuropa fĂŒhrten ErnteausfĂ€lle zu massiven Versorgungsproblemen. Eine DĂŒrreperiode in Zentralasien im 4. Jahrhundert brachte schließlich den Handel auf der Seidenstraße zum Erliegen.

Die ErwĂ€rmung im 8. und 9. Jahrhundert wird als Mittelalterliche Klimaanomalie bezeichnet. Die Wikinger begannen mit der Besiedlung Islands („Eisland“) und Grönlands („GrĂŒnland“), das damals wie heute an den sĂŒdlichen KĂŒstenstreifen „grĂŒnes Land“ aufweist. Gleichzeitig kam es in Amerika zu katastrophalen DĂŒrren und in Europa gehĂ€uft zu katastrophalen Sturmfluten, siehe dazu Liste der Sturmfluten an der Nordsee. 1362 erfolgte die Abtrennung der friesischen Inseln vom norddeutschen Festland durch die Zweite Marcellusflut.cite-ref-sch-26-0[26]

Ab Mitte des 14. Jahrhunderts setzte eine KlimaverĂ€nderung ein, die insbesondere zwischen 1550 und 1850 ihren Höhepunkt fand. Diese Neuzeitliche Klimaanomalie wird als Kleine Eiszeit bezeichnet. In nasskalten Sommern reifte das Getreide nicht mehr aus, hĂ€ufig traten nach Missernten Hungersnöte auf. Verheerende Seuchen (wie die Pest) und Kriege (wie der DreißigjĂ€hrige Krieg) belasteten die Bevölkerung zusĂ€tzlich. Die einsetzende Landflucht sowie die spĂ€tere Abwanderung großer Bevölkerungsteile in die „Neue Welt“ wurde so zum Teil auch durch diese KlimaverĂ€nderung verursacht. Im Laufe der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts klang die Kleine Eiszeit zusehends aus.

„AnthropozĂ€n“

→

Hauptartikel

:

AnthropozÀn

Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich die Weltbevölkerung innerhalb von 150 Jahren verdoppelt, und England trug die Industrielle Revolution in die Welt. Durch die Entwaldung fĂŒr die Ausweitung der Landwirtschaft (Nahrung, Baumwolle) und die Verbrennung fossiler Brennstoffe (zunĂ€chst Kohle, spĂ€ter zunehmend auch Kohlenwasserstoffe) ist bereits fĂŒr das 19. Jahrhundert ein signifikanter Anstieg des atmosphĂ€rischen Kohlendioxids (CO2) feststellbar. Die anthropogenen CO2-Emissionen werden gemeinsam mit den seit dem Beginn der Industrialisierung ebenfalls stark gestiegenen Methan- und Lachgasemissionen fĂŒr die globale ErwĂ€rmung verantwortlich gemacht, die besonders deutlich ab der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts beobachtet wird. In diesem Zusammenhang ist umstritten, wann auf das derzeitige Interglazial das nĂ€chste Glazial folgen wird – und ob es ĂŒberhaupt kommt. Manche Forscher sind der Ansicht, die globale ErwĂ€rmung werde den seit vielen hunderttausend Jahren stetig wiederkehrenden Zyklus von Glazialen und Interglazialen stören und dadurch den Beginn eines neuen Glazials verhindern.cite-ref-27[27] Nach dem Stand der Wissenschaft wĂŒrde das gegenwĂ€rtige Interglazial ohne menschliche EinflĂŒsse noch fĂŒr mindestens 30.000 Jahre andauern, da die geringe BahnexzentrizitĂ€t der Erde die EinflĂŒsse der PrĂ€zession minimiert.cite-ref-28[28] Zudem fĂŒhren die anthropogenen CO2-Emissionen zu einer Versauerung der Meere mit entsprechenden Auswirkungen auf die biogene Karbonatproduktion.

Neben dieser KlimaverĂ€nderung und dem damit verbundenen Meeresspiegelanstieg sind auch andere anthropogene Emissionen, z. B. Stickstoff und Phosphor aus DĂŒngemitteln, Schwermetalle aus der MetallverhĂŒttung und der Verbrennung fossiler EnergietrĂ€ger sowie kĂŒnstliche Radionuklide, die oberirdischen Kernwaffentests oder der technischen Nutzung der Kernspaltung entstammen, in den jĂŒngsten Ablagerungen des JungholozĂ€ns (die prinzipiell auch als rezent angesprochen werden können) global nachweisbar.cite-ref-zala12-29-0[29] Regional unterschiedlich spiegeln sich das aktuelle Artensterben, die Verschiebung der Klimazonen und die Einschleppung exotischer Arten im Fossilbericht wider.cite-ref-zala12-29-1[29] Auch fĂŒhren großflĂ€chige Entwaldung, einhergehend mit verstĂ€rkter Erosion, oder die Begradigung von FlĂŒssen und Eindeichung von KĂŒstenregionen zu VerĂ€nderungen in der Sedimentationsdynamik der angeschlossenen AblagerungsrĂ€ume.cite-ref-zala12-29-2[29]

All dies sind konkrete Belege dafĂŒr, dass der Mensch im Verlauf der letzten 200 Jahre ein bedeutender Einflussfaktor fĂŒr die geologische Überlieferung geworden ist. FĂŒr diese anthropogen beeinflussten und zum Teil auch rein anthropogenen Sedimente bzw. den Zeitraum, in welchem selbige abgelagert und aufgeschĂŒttet wurden und sowohl gegenwĂ€rtig als auch noch in Zukunft abgelagert und aufgeschĂŒttet werden, prĂ€gte der Meteorologe Paul J. Crutzen den Begriff „AnthropozĂ€n“. 2019 sprach sich die weit ĂŒberwiegende Mehrheit der 34-köpfigen AnthropozĂ€n-Arbeitsgruppe (Anthropocene Working Group, AWG) dafĂŒr aus, bis 2021 eine Definition, die den Beginn des AnthropozĂ€n etwa in der Mitte des 20. Jahrhunderts verortet, zu erarbeiten und als offizielle geologische Epoche vorzuschlagen.cite-ref-awg-30-0[30]

Das AnthropozĂ€n-Konzept ist zwar geowissenschaftlich fundiert, hat aber fĂŒr heutige Geologen kaum praktischen Wert. GrĂ¶ĂŸere Bedeutung besitzt es fĂŒr die in der AWG zahlreich vertretene „Global Change research community“,cite-ref-awg-30-1[30] also jene Wissenschaftler, die sich unmittelbar mit dem vom Menschen beeinflussten Wandel des Systems Erde beschĂ€ftigen. DarĂŒber hinaus ist es auch zu einem nicht geringen Teil als ein von der Umweltbewegung inspiriertes philosophisches und politisches Konzept aufzufassen, das die Öffentlichkeit fĂŒr all die oben aufgelisteten anthropogenen VerĂ€nderungen, von denen einige den Fortbestand der menschlichen Zivilisation ernsthaft gefĂ€hrden könnten, sensibilisieren soll.cite-ref-steff11-11-1[11]

Siehe auch
Literatur

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Weblinks

Wiktionary: HolozÀn

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Literatur zum HolozĂ€n im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ International Chronostratigraphic Chart 2018 (PDF; 300 kB)
‱ Der Mensch erscheint im HolozĂ€n – und verschwindet auch gleich wieder?, Essay und Diskurs: GesprĂ€ch mit Florian Felix Weyh, Deutschlandfunk, gesendet am 8. Januar 2023

Einzelnachweise

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cite-note-77. ↑ Mike Walker, Sigfus Johnsen, Sune Olander Rasmussen, Trevor Popp, Jþrgen Peder Steffensen, Phil Gibbard, Wim Hoek, John Lowe, John Andrews, Svante Bjorck, Les C. Cwynar, Konrad Hughen, Peter Kershaw, Bernd Kromer, Thomas Litt, David J. Lowe, Takeshi Nakagawa, Rewi Newnham und Jakob Schwander: Formal definition and dating of the GSSP (Global Stratotype Section and Point) for the base of the Holocene using the Greenland NGRIP ice core, and selected auxiliary records. Journal of Quaternary Science 24 (1), 2009, S. 3–17, doi:10.1002/jqs.1227.
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